Mein Mann sah sich fassungslos um.
– Wo ist alles?
– An seinem Platz – antwortete ich ruhig.
Da klingelte es erneut.
Vor der Tür standen zwei Männer.
Einer von ihnen war Mitarbeiter eines Umzugsunternehmens, der andere war Vertreter eines Lagerhauses für Möbel und Einrichtungsgegenstände.
Mein Mann sah mich verständnislos an.
– Was geht hier vor?
– IN DEN LETZTEN VIER TAGEN IST MIR ETWAS KLAR GEWORDEN – SAGTE ICH. – ICH BIN NICHT DESHALB SO ERSCHÖPFT, WEIL WIR BABYS HABEN. SONDERN WEIL ICH ALLEIN VERSUCHE, EINE VIERKÖPFIGE FAMILIE AM LAUFEN ZU HALTEN.
Ich schob ihm die Unterlagen hin.
Auf der ersten Seite stand ein detaillierter Wochenplan.
Nächtliches Füttern.
Windelwechsel.
Wäschewaschen.
Einkaufen.
Kochen.
ARZTTERMINE.
Jede Aufgabe, die ich seit Monaten allein erledigte.
Auf der zweiten Seite stand eine Liste.
Das Sofa.
Der Fernseher.
Die Spielekonsole.
Die Angelausrüstung.
Der Barschrank.
– DIESE SACHEN HABE ICH ALLE IN EIN LAGERHAUS BRINGEN LASSEN – SAGTE ICH.
– Warum?
– Weil wir keine Zeit für irgendetwas davon haben, solange wir zwei Säuglinge großziehen. Wenn ich keine Freizeit habe, wirst du auch keine haben.
Mein Mann war empört.
– Du kannst meine Sachen nicht einfach wegbringen!
– Ich habe sie nicht verkauft. Wenn du sechs Wochen lang deinen Anteil an der Arbeit rund um die Kinder gleichberechtigt übernimmst, lassen wir alles wieder zurückbringen.
Es wurde still.
Die beiden Umzugshelfer warteten höflich an der Tür, um die Übergabepapiere auszuhändigen.
MEIN MANN GING DIE LISTE BIS ZUM ENDE DURCH.
Dann sah er mich zum ersten Mal wirklich an.
Meine Augenringe.
Meine zitternden Hände.
Die beiden friedlich schlafenden Mädchen.
– Machst du wirklich jeden Tag so viel? – fragte er leise.
Ich holte mein Handy heraus.
Ich zeigte ihm meine Aufzeichnungen aus den vergangenen Monaten.
DIE UHRZEIT JEDER EINZELNEN FÜTTERUNG.
Jedes nächtliche Aufwachen.
Insgesamt nur zwei bis drei Stunden unterbrochener Schlaf pro Tag.
Mein Mann setzte sich langsam hin.
– Das wusste ich gar nicht …
– Genau das ist das Problem. Du wolltest es nie wissen.
An diesem Abend bereitete er zum ersten Mal selbst das abendliche Bad vor.
Er war unbeholfen.
ER BRAUCHTE DAFÜR LANGE.
Eine der Babyflaschen musste er noch einmal spülen.
Aber er gab nicht auf.
In den folgenden Wochen gestalteten wir unseren Tagesablauf gemeinsam neu.
Zwei Abende pro Woche gehörten nur mir.
Ich konnte spazieren gehen.
Ich konnte schlafen.
Ich konnte mich mit meinen Freundinnen treffen.
UND ER ERLEBTE, WIE ES IST, ZWEI GLEICHZEITIG SCHREIENDE SÄUGLINGE MORGENS UM DREI UHR ZU BERUHIGEN.
Sechs Wochen später kamen das Sofa und der Fernseher zurück.
Schließlich auch die Angelausrüstung.
Nicht, weil die Frist abgelaufen war.
Sondern weil nicht mehr nur eine Person die Last der Familie trug.
Jahre später sagte mein Mann einmal in einem Gespräch mit Freunden:
– Ich dachte, ich müsse Geld nach Hause bringen, um ein guter Vater zu sein.
MEINE FRAU HAT MIR BEIGEBRACHT, DASS MANCHMAL EINE SAUBER GESPÜLTE BABYFLASCHE VIEL MEHR BEDEUTET.
Und von diesem Tag an sagte er zu niemandem mehr:
„Du wolltest doch Elternteil sein.“